Auf Gott zugehen - die Weisheit des Hl. Bonaventura
Im Jahr 1259 zog sich der Nachfolger des Heiligen Franziskus, Giovanni da Fidanza – mit Ordensnamen Bonaventura, an den Ort der Wundmale zurück, auf den Berg LaVerna in der Toscana, um dem nachzuspüren, was den Ordensgründer zutiefst bewegt hatte. 1257 zum Ordensgeneral gewählt, versuchte er in 40 Tagen dem nachzuspüren, was auch nach 800 Jahren sehr viele Menschen weltweit bewegt. Der Theologieprofessor aus Paris bringt als ein Ergebnis dieser Zeit eine sehr komplexe kleine Schrift von diesem Berg zurück, „Den Pilgerweg“.

Dieses „itinerarium mentis in deum“ beschäftigt mich nun seit 1987. André R. Cirino, Franziskaner aus New York hat mich auf diese Fährte gebracht. Über 2000 Menschen haben mit uns eine „retreat experience“, einen Exerzitienkurs erlebt. Seit 1987 haben wir beide weit über ein Jahr intensiv mit dieser Erfahrung und Schrift an Zeit verbracht. Hier einige Auszüge aus der Schrift:
Prolog, 5:
Mir schien es sinnvoll, meine Gedanken in sieben Kapitel zu unterteilen und jedem Kapitel einen Titel voranzustellen. Dies wird das Verständnis des Inhalts erleichtern. Ich bitte Sie daher, der Intention des Autors mehr Aufmerksamkeit zu schenken als dem Werk selbst, dem Gesagten mehr als der ungeschliffenen Sprache, der Wahrheit mehr als der Attraktivität, der emotionalen Anregung mehr als der intellektuellen Bereicherung. Damit dies geschehen kann, ist es wichtig, diese besinnlichen Betrachtungen nicht hastig durchzulesen, sondern sich Zeit zu nehmen und immer wieder darüber nachdenken.
Kap. 7:
Wenn ihr nun fragt, wie all dies geschehen soll,
bittet um Gnade, nicht um kluge Lehre;
um Sehnsucht, nicht um Verstand;
um seufzendes Gebet, nicht um eifriges Lesen;
um den Geliebten, nicht um den Lehrer;
um Gott, nicht um einen Menschen;
um Dunkelheit, nicht um Klarheit;
nicht um Licht, sondern um das Feuer, das ganz entflammt
und einen durch ekstatische Inbrunst und lodernde Liebe zu Gott trägt.
Dieses Feuer ist Gott, und Gottes Schmelzofen ist in Jerusalem.
Und Christus entzündet ihn in der Hitze seines brennenden Leidens.
Nur wer spricht: „Meine Seele wählt den Galgen und meine Gebeine den Tod“, kann dieses Feuer wahrhaft annehmen.
Nur wer diesen Tod liebt, kann Gott sehen,
denn es ist gewiss wahr: „Niemand kann mich sehen und leben.“
Lasst uns also sterben und in diese Dunkelheit eintreten.
Lasst uns all unsere Sorgen, unsere Begierden und unsere Wahrnehmungen zum Schweigen bringen.
Lasst uns mit Christus, dem Gekreuzigten, hinübergehen
von dieser Welt zum Vater,
damit wir, wenn uns der Vater gezeigt wird,
mit Philippus sagen können: Es ist genug.
Lasst uns auf Paulus hören: Meine Gnade genügt euch.
Lasst uns mit David jubeln und sagen:
Mein Leib und mein Herz vergehen; doch du bist der Gott meines Herzens, der mein Anteil ist für immer.
Gepriesen sei der Herr in Ewigkeit,
und alle sollen sagen:
Es geschehe, es geschehe!
Amen.
Franziskanische Mystik
André Cirino hat sich nun aus Altersgründen aus der Seminar- und Pilgerleiterarbeit zurückgezogen. Einer der letzten Kurse „Journey into God“ wurde 2024 im Franciscan Renewal Center, Scottsdale/ Arizona, gefilmt und wird ab etwa Ostern 2026 auf deren Webseite zur freien Teilnahme zur Verfügung stehen.
Außerdem habe ich die Struktur übertragen auf ein Konzept aus der Hospizarbeit, den spirituellen Schmerz (s. Buchveröffentlichungen).
